Mediation in Gemeinden und Kirchen

Warum Mediation in Gemeinden und Kirchen oft der bessere Konflikt-Lösungsweg ist  Oder wie sie wieder aus dem Streit raus kommen

  1. Wenn das Bild der Gemeinde an der Wirklichkeit zerbricht?
  2. Wenn sich der Konflikt versteckt
  3. Mediation packt den Konflikt an der Wurzel
  4. Was ein Vermittler(Mediator) bewirken kann
  5. Bei einer Mediation wird ihre Privatsphäre  geschützt
  6. Kompetenzgewinne durch Mediation
  7. Wenn wieder Frieden und Harmonie einkehrt

 

1. Warum Mediation in Gemeinden und Kirchen oft der bessere Konflikt-Lösungsweg ist oder wie sie wieder aus dem Streit raus kommen

 

Wenn das Bild der Gemeinde an der Wirklichkeit zerbricht?

Stellen sie sich vor, sie gehören zu einer Freikirchlichen Gemeinde.  Sie sind überzeugt davon, dass es Gottes Weg und Wille ist, dass sie zur Gemeinde gehören. Sie haben gelernt dass Jesus die Gemeinde ins Leben gerufen und gewollt hat. Dies ist auch für sie der Ort,  an dem sie Gott begegnen möchten.  In der Gemeinde haben sie eine herzliche Annahme erfahren, freundliche Menschen, die wie sie Gott von ganzem Herzen dienen möchten. Sie fühlen sich wohl.  Gemeinde ist für sie ein Rückzugsort, an dem sie auftanken möchten. Wo sie zur Ruhe kommen können.  Ein guter Ort, den Gott Ihnen gezeigt hat.
 

Zum Ideal Ihrer Gemeinde gehört, dass sie in liebevollen Beziehungen einander begegnen. Immerhin hat Jesus sogar gesagt, dass das ein Markenzeichen der Gemeinde sein wird.
 

Joh.13: "Daran wird Jedermann  erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr Liebe untereinander habt. Sie glauben, dass hier alle ihr bestes geben. Das es harmonisch zugeht. Dass es allen darauf ankommt, Christus nachzufolgen und zu dienen."


Sehr oft hören sie auch Predigten, die die Liebe betonen und die Gemeinde hervorheben. Die Gemeinde Jesu ist die Hoffnung für die Welt.  Der beste Ort, den man sich vorstellen kann. Sie gehen davon, dass es Frieden gibt in der Gemeinde.
 

Leider müssen sie eines Tages feststellen, dass es gar nicht nur so toll ist. Sie kriegen mit wie Gemeindeglieder sich anfauchen. In der Mitgliederversammlung gibt es heftige Diskussionen. Es wird laut, es wird unschön. Man streitet sich über´s Geld. Über die Farbe des Gemeindehauses, den Zustand der Toiletten. Es geht hoch her. Kein Frieden mehr. Parteien bilden sich, die aufeinander losgehen.  Es gibt Vorwürfe, Anschuldigungen, die Stimmung wird aufgeheizt.
 

Sie wissen gar nicht wie Ihnen geschieht. Was ist denn los in der Gemeinde?
 

Etliche Gläubige kommen nicht mehr. Die Gemeindeversammlung wird nur noch von einigen wenigen besucht. Und nun?

Die Gemeinde /Kirche hat ein zu hohes Idealbild von sich. Es wird, ja es muss letztlich an der Wirklichkeit zerbrechen. Schon Dietrich Bonhoeffer hat darauf hingewiesen, dass eine Gemeinde schnell an einem zu hohen Ideal, an zu hohen Forderungen an die Gemeinschaft zerbrechen kann, ja zwangsläufig zerbrechen muss, eben weil sie ein überhöhtes Ideal niemals erreichen kann.
 

Auch Christen sind nur Menschen. Mit Fehlern, Macken und „unlauteren Motiven“. Sie wollen Macht ausüben, Einfluss haben, sich durchsetzen, sie wollen etwas für sich erreichen.
 

Sie brauchen Anerkennung und holen sie sich. Sie bauchen Sex und leben manchmal eine Sexualität die nicht den Moralvorstellungen der Gemeinde entspricht. Natürlich heimlich…
 

Niemand darf das erfahren.

 

2. Wenn sich der Konflikt versteckt?

 

Was passiert?  Konflikte und  eigene Interessen werden nicht wahrgenommen – aber sie sind trotzdem da. Es wird tabuisiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Augen werden vor der Wirklichkeit verschlossen, Niemand traut sich zu sagen, was er wirklich möchte, was in ihm vorgeht, welche Zweifel ihn plagen, wie schwer es ihm fällt dem Ideal zu entsprechen, dass er oder sie oft den Maßstäben nicht gerecht wird und somit in seinen Augen „versagt“, es einfach nicht hin kriegt.
 

Aber auch Verletzungen werden verschwiegen. Es darf ja nicht sein, -der andere hat es bestimmt nicht so gemeint, wofür etwas anzetteln? Das gehört sich nicht.
 

Aber mit der Verdrängung, mit dem Verstecken des Konflikts ist er noch lange nicht gelöst. Es rumort nun. Innere Unzufriedenheit macht sich breit.  Und es kommt zum Knall! Worüber?
 

Über den Weg der Gemeinde – soll die Gemeinde nun eine Zelt-Evangelisation durchführen? Einer hat schon Pläne dafür vorgelegt – andere wurden nicht gefragt – es wird heftigst diskutiert. Oder es geht ums Geld- wohin soll gespendet werden?  Wie soll der Jugend-Raum genutzt werden….
 

Besonders schlimm wird es, wenn in einer öffentlichen Versammlung  über andere gesprochen oder gar gerichtet wird. Z.B. wenn ein Paar ein uneheliches Kind bekommt, oder ohne Trauschein zusammen zieht. So entsteht schnell Chaos. Unzufriedenheit. Jeder weiß irgendwas, aber niemand weiß so richtig Bescheid. Worüber streiten sie sich eigentlich?  Die einen stellen ihre Forderungen immer lauter und vehementer, die anderen ziehen sich zurück, kommen nur noch sporadisch, verlassen die Gemeinde. und machen sich auf die Suche nach einer besseren Kirche…
 

Womöglich muss der Pastor gehen. Vielfach endet der vermeintlich gelöste Konflikt in einer  Friedhofsruhe und Resignation.

 

3. Mediation packt den Konflikt an der Wurzel und ebnet so den Weg für echte Lösungen, die neues Wachstum ermöglichen.
 

Wie sie schon gemerkt haben,  ist es oft so, dass man die wahren Motive, die eigenen Bedürfnisse und Beweggründe in einem Konflikt nicht benennt, sondern sich über Positionen streitet, also z.B.: Welche Farbe soll der Gemeindesaal bekommen?
 

Auf dieser Ebene kann man ganz gut seinem Ärger Luft machen.  Dennoch wird so kein Konflikt gelöst, sei es ein innerer oder äußerer Konflikt. Mediation packt den Kern des Konflikts. In der Mediation fragt der Mediator nach den Bewegründen und Wünschen der Beteiligten und schafft so die Voraussetzung für eine nachhaltige Konfliktlösung.
 

Dass möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen:

Frau Jung und Pastor Schneider  reden nicht mehr miteinander. Frau Jung ist Hausmeisterin in der Lukasgemeinde. Zu ihren Aufgaben gehört ein letzter abendlicher Rundgang durch das Gemeindezentrum. Immer wieder hat Pastor Schneider feststellen müssen, dass sie dieser wichtigen Aufgabe nicht nachgekommen ist. Er hat sie zuerst erinnert, dann ermahnt, schließlich mit Kündigung gedroht. Jedes Mal hat Frau Jung Besserung gelobt, aber es besserte sich nichts. Beim letzten Gespräch war sie nervlich so angespannt, dass sie ausfallend wurde. Ein Wort gab das andere, der Streit wurde sehr belastend. Seither gehen sie sich aus dem Weg. Herr Vach, ein Kirchenvorstandsmitglied, schlägt vor, als letzten Versuch vor der Kündigung ein Mediationsgespräch zu führen. Er kennt einen Mediator und ist von dieser Konfliktlösungsstrategie überzeugt.

 Sowohl Frau Jung als auch Pastor Schneider erscheinen zu diesem Gespräch mit sehr gemischten Gefühlen. Aber sie sind froh, einen Gesprächsleiter zu haben, der dafür sorgt, dass sie beide ausreden können, ohne vom anderen unterbrochen zu werden. Jemand, der darauf achtet, dass verletzende Seitenhiebe unterbleiben. Jemand, der ihre jeweiligen Sichten zusammenfassen und so ausdrücken kann, dass der andere zunehmend Verständnis gewinnt.

 Es schält sich langsam heraus, dass der abendliche Rundgang für Frau Jung zum Alptraum geworden ist. Vor einigen Monaten war sie abends auf dem Heimweg überfallen worden, ein junger Mann floh mit ihrer Handtasche. Seither hat sie Ängste, von denen jedoch niemand etwas wusste. Sie kann sich deshalb immer weniger zu dem notwendigen Rundgang überwinden. Pastor Schneider ist überrascht. Damit hat er nicht gerechnet. Aber was tun? Er ist für das Gemeindezentrum letztlich verantwortlich. Er möchte die Gewissheit, dass abends die Heizung zurückgestellt ist und die Fenster und Türen ordentlich verschlossen sind. Der Mediator macht den beiden bewusst, dass dem Konflikt tiefe und legitime Bedürfnisse zugrunde liegen, aber auch ein wichtiges gemeinsames Interesse. Frau Jung  handelt aus Angst, ihr Interesse ist persönliche Sicherheit. Pastor Schneider handelt aus seiner Leitungsverantwortung heraus. Sein Interesse ist die allgemeine Sicherheit. Und er hat (nachdem mehrere Lösungsvorschläge besprochen worden waren) eine Idee: Wie wäre es, wenn die Kirche eine Alarmanlage installieren würde?
 

Die Idee wird umgesetzt und bewährt sich. Frau Jung fühlt sich durch die Alarmanlage wieder sicherer und nimmt ihre abendlichen Rundgänge wieder auf. Pastor Schneider kann auch wieder ruhiger schlafen. Und vor allem: Die Beiden sprechen wieder miteinander. Sie haben sich besser verstehen gelernt und haben heute mehr Wertschätzung füreinander als vorher. Ja, es ist eine richtige Freundschaft und ein neues Vertrauensverhältnis entstanden.
 

Dieses Beispiel zeigt eine gelungene Mediation in einer christlichen Gemeinde.

 

4. Was ein Vermittler(Mediator) bewirken kann

 

In der Christlichen Gemeinde kennen wir das Bild des Vermittlers sehr gut. Jesus Christus ist als „Mittler“ auf die Erde gekommen, um zwischen Gott und Menschen zu vermitteln/Frieden zu schaffen.
 

Mediation heißt übersetzt: Vermittlung.
 

Es ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass eine dritte, neutrale Person, die von außen dazu kommt schon eine Wirkung auf die Konfliktparteien hat.
 

Wer zu einer Gruppe dazu gehört oder sogar eine leitende Funktion in einer Gruppe inne hat, ist für eine Konfliktvermittlung kaum geeignet, die Person ist viel zu sehr beteiligt, betroffen und auch verdächtig, sich um die eigenen Interessen zu mühen.
 

Für eine gute Konfliktlösung braucht es neutrale, externe Personen. Ein Mediator hat noch den Vorteil, dass er/sie nicht nur neutral, sondern auch Allparteilich ist.  Er ist also für jede Seite gleichermaßen da und bemüht sich darum die Beteiligten zu einer Lösung zu führen, die allen einen möglichst großen Gewinn bringt.

 

5. Bei einer Mediation wird ihre Privatsphäre geschützt

 

Wenn es Streit in einer Gemeinde/Kirche gibt, geschieht es schnell, dass es sich rum spricht. Die Gerüchteküche brodelt. Leider  werden dann auch Schubladen gezogen. Mit dem/Ihr gab es schon mal Streit.  Mit dem kann etwas nicht stimmen… Man bekommt einen Makel. Oder es gibt Vor-Verurteilungen. Unsachgemäße Kommentare. Die Beteiligten landen in einer bestimmten Ecke. Ein Bild wird geprägt. Solange wie der Konflikt noch nicht öffentlich ist, besteht eine gute Chance darin, dass die Beteiligten zu einem Mediator fahren. Dort den Konflikt lösen und dann der Gemeinde von dem guten Ergebnis berichten können.
 

Ein Mediationsverfahren ist vertraulich. Die Personen einigen sich gemeinsam darauf, was in die Öffentlichkeit transportiert wird.

 

6. Kompetenzgewinne durch Mediation

 

Bei einer erfolgreichen Mediation erleben sie wie man konstruktiv Konflikte bewältigen und miteinander gewinnen kann.  Mediation liefert Ihnen  ein Beispiel für friedensstiftende Kommunikation.
 

Sie bekommen nicht einfach gute Ratschläge und werden damit allein gelassen. Sie lernen, wie man Konflikte lösen kann. Sie bekommen ein Modell, an dem sie sich orientieren können.
 

In christlichen Gemeinden hat man oft nur gelernt, einen Konflikt zu verstecken. Es gibt kaum Beispiele für gelungene Konfliktlösungen. Wenn doch, dann ist nicht klar, warum es funktioniert hat, wie man das wiederholen kann. Da Mediation ein strukturiertes Verfahren ist, kann es sehr gut zu einem Modell werden, dass man sich aneignen und erlernen kann. Mediation kann als Maßstab für den Umgang in Auseinandersetzungen genommen werden.
 

Sie selbst können durch das erleben einer Mediation profitieren. Sie können Erkenntnisse über sich selbst bekommen. Sie erfahren durch dieses strukturierte Gespräch,  was ihnen wichtig ist, welche Ängste sie haben. Aber nicht nur das, sie können auch viel über ihre Mitmenschen erfahren und sie so besser verstehen. So kann man sich sehr viel näher kommen und einander vertrauter werden.
 

7. Wenn wieder Frieden und Harmonie einkehrt

 

Ich stelle mir vor,  wie sie sich nach anstrengenden und tiefgehenden Gesprächen, die ihr Herz berührt und zu einer Einigung geführt haben in den Arm nehmen. Es ist etwas Neues entstanden.  Verständnis Füreinander und Vertrauen zueinander ist gestärkt worden. Der neue Weg ist noch ein bißchen wackelig, der Alltag muss  noch zeigen, ob die Brücke trägt.
 

Aber ein wichtiger Schritt wurde getan. Es kehrt wieder Frieden und Harmonie ein, bei Ihnen und in Ihrer Gemeinde/Kirche.
 

Das genau das geschieht, dazu möchte ich als Mediator beitragen. Deswegen erfreue ich mich an der Mediation.

Ich habe die Vision, das es in 10 Jahren in den Kirchen und  Freikirchen unseres Landes eine Selbstverständlichkeit ist, dass es Ansprechpartner für Konfliktangelegenheiten gibt, die in Mediation ausgebildet wurden. Dann wird es selbstverständlich sein, dass bei aufkommenden Konflikten der/die eingesetzte VermitterlerIn angerufen wird,  Konflikte gut gelöst werden und Menschen noch zufriedener in der Gemeinde leben.

 

 

 

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